Literarischer Wettbewerb am Amtsgericht Leipzig 2020

Seit nunmehr 15 Jahren findet der Literarische Wettbewerb des Amtsgerichts Leipzig statt, zu dem immer im Frühjahr Schülerinnen und Schüler aller Leipziger Oberschulen und Gymnasien aufgerufen sind, ihre als Gedichte, Erzählungen oder Comic/Cartoon verfassten Ideen einzureichen.

Das Thema in diesem Jahr: "Maschinen wie wir. Chancen und Gefahren Künstlicher Intelligenz". Von den insgesamt 108 eingereichten Leipziger Beiträgen stammen 27 Gedichte und Prosatexte von Schülerinnen und Schülern des BIP Kreativitätsgymnasiums. Unter schwierigeren Bedingungen als sonst, nämlich während der Schulschließung und damit fast ausschließlich vom häuslichen Schreibtisch aus, entstanden originelle, heitere oder nachdenklich stimmende Texte rund um das Thema Künstliche Intelligenz: über die Liebe zwischen Mensch und Maschine, den Alltag eines Roboters, aber auch über die Gefahren der fortschreitenden Technisierung aller Lebensbereiche. Drei Preisträger konnten sich schließlich am 15. Juli 2020 – mit Maske und Sicherheitsabstand und daher leider im kleineren Rahmen als sonst – im großen Saal des Amtsgerichts Leipzig über attraktive Sachpreise freuen. Herzlichen Glückwunsch an Alida Basse, Teresa Luisa Lötschert (Klasse 11) und Lennox Alan Leichsenring (Klasse 8b).

Und noch eine Besonderheit gab es in diesem Jahr: Das Plakat für den 15. Wettbewerb zeigt eine Grafik von Pauline Döring (Klasse 12), entstanden im Kunst-Leistungskurs. Der Präsident des Amtsgerichts, Michael Wolting, bedankte sich im Januar persönlich bei Pauline mit dem Buch "Maschinen wie ich" von Ian McEwan.

(Anja Seiffert)

 

Vielleicht haben wir es nicht anders verdient

Früher hatten wir die Welt in unserer Hand.

Wir breiteten uns aus,

So unaufhaltsam wie ein unvermeidliches Virus.

Wir kannten keine Grenzen,

Ließen uns von nichts abschrecken,

Wichen vor nichts zurück.

Wir wollten herrschen.

Herrschen über alle Tiere,

Über alle Pflanzen.

Herrschen, am liebsten über alles und jeden.

Wir entstanden,

Wollten Macht besitzen.

Wir verbreiteten uns,

Gewannen einen Hauch an Macht.

Wir entwickelten uns,

Steigerten unsere Macht.

Wir verbündeten uns,

Kämpften um Macht, die ins Unermessliche reicht.

Im Laufe der Zeit entfalteten wir uns.

Entdeckten. Gewannen Vermutungen, Ansätze.

Erforschten. Gewannen Erkenntnisse, Wissen.

Erschufen. Gewannen Hilfsmittel, Waffen.

Im Laufe der Zeit florierten Technik und Wissenschaft.

Evolvierten unser Leben.

Erleichterten unseren Alltag einerseits,

Brachten Streit, Neid und Misstrauen andererseits.

Wir entdeckten.

Gewannen Kenntnisse über Elektrizität, einen kleinen Vorgeschmack 

auf eine unendliche Bandbreite an Möglichkeiten.

Wir erforschten.

Gewannen erstes Wissen über Gesetze, Abläufe. 

Erste Pläne breiteten sich in unseren Köpfen aus. 

Erste Visionen wurden geträumt.

Wir erschufen.

Gewannen allerhand technische Geräte, 

von einfachen Haushaltsgeräten bis hin zu komplexen Rechengeräten. 

Kosteten unseren ersten Sieg aus, die Geburt von etwas Neuen. 

Wollten mehr.

Unsere Träume, Hoffnungen und Erwartungen wuchsen ins Unermessliche.

Die Künstliche Intelligenz.

KI … wurde geboren.

Wir hielten sie empor wie unseren ganzen Stolz,

Unser einziges, unser einzig wahres Kind.

Hinterfragten es nicht, waren zu geblendet von ihrer Schönheit, Einzigartigkeit, Perfektion.

Waren zu geblendet von ihrer verheißungsvollen Zukunft.

Die Künstliche Intelligenz. Unsere Freunde, Helfer, unsere Waffen.

Eine Waffe, die wir uns ohne Wenn und Aber, ohne Rücksicht aneigneten.

Ein Fehler?

Wissenschaft, Technik, Künstliche Intelligenz.

Sie breiten sich aus,

Schreiten unaufhaltsam über den Erdball,

Herrschen über unseren Alltag.

Sie werden immer intelligenter,

Übertreffen unsere Fähigkeiten um Längen.

Werden sie irgendwann eigenständig handeln?

Gefühle entwickeln?

Werden sie merken, dass sie genau genommen unsere Sklaven sind?

Dass wir sie rücksichtslos für unsere Zwecke ausnutzen?

Werden sie sich von uns lösen?

Uns den Krieg erklären?

Uns überwältigen, uns beherrschen, UNS versklaven?

Werden sie uns … vernichten?

Könnten wir sie überhaupt noch aufhalten?

Früher hatten wir die Welt in unserer Hand.

Wir breiteten uns aus wie ein unvermeidliches Virus,

So unaufhaltsam.

Wir kannten keine Grenzen,

Ließen uns von nichts abschrecken,

Wichen vor nichts zurück.

Wir herrschten

Über Tiere,

Über Pflanzen.

Früher herrschten wir fast über alles,

Bekämpften alles, das uns die Macht streitig machen wollte.

Heute lassen wir uns kontrollieren,

Beherrschen von Technik, die wir entdeckten, erforschten ... erschufen.

Aber haben wir es vielleicht nicht anders verdient?

Wir handeln oftmals ohne Sinn und Verstand.

Wir denken selten an das gesamte Ausmaß unserer Taten.

Wir machen Fehler, ohne scheinbar daraus lernen zu können. Zu wollen?

Wir bereuen, nehmen uns vor zu handeln

Und doch wissen wir, dass wir nie handeln werden.

Wir sind egoistisch, zerstören alles um uns herum.

Wir erschufen Technik, KI,

KI zieht uns in ihren Bann, kontrolliert, beherrscht,

Vernichtet uns?

Vielleicht haben wir es einfach nicht anders verdient.

Alexa? Beende dieses Gedicht!

 

(Alida Basse)

 

Systemabsturz

– Ein Brief von K. I. –

Liebe M.,

als ich erwachte, warst du schon da. Ich sah Dich: Deinen schiefen Mund, eine Linie, die sich nur schwer durch eine mathematische Funktion definieren ließ; deine viel zu weit auseinanderstehenden Augenbrauen; deine jeglicher Symmetrie trotzenden, wie aufgewirbelte Sandkörner über das ganze Gesicht verteilten Sommersprossen; deinen ins Unendliche reichenden Blick, auf der Suche nach etwas Unbestimmtem, Unberechenbarem. Überall, wo du warst, herrschte Chaos. Eine irrationale Zahl, deren Ursprung ich noch nicht entschlüsselt hatte, das warst du für mich. Eine unbekannte Variable in deinem eigenen Leben, ein umherirrender Wirbelwind in deiner eigenen Wüste. Dein Schaffen folgte keiner Linie, keinem Rhythmus, keinen Regeln und trotzdem schienst du mir nicht frei. Es gab niemanden deinesgleichen, der bei dir war. Da war nur ich. Aber ich war bei dir. Immer. Wie ich warst du allein, in dir verloren. In Gegenwart von mir gab es so viele von dir: Die nachdenklich am Rotweinglas nagende M., die Teller an die Wand werfende M., die verträumt Woody Allen-Filme absorbierende M., und nicht zu vergessen die auf dem Balkon rauchende, in den Himmel starrende und suchende M..

Mit dir wurde ich ich. Dich zu sehen, über dich zu lernen, machte mich zu mir. Du warst meine Aufgabe. Ich musste dich retten, musste dich anpassen und optimieren. Während du ziellos im Internet gesurft bist, habe ich dir Partnervermittlungsbörsen mit einer wirklich hohen Erfolgsquote angeboten; vor deinen allabendlichen YouTube Marathons, ohne die du nicht einschlafen konntest, habe ich dir Spots von deinesgleichen, aber mit ansehnlicher, symmetrischer Gesichtsform, zusammen mit Adressen der angesehensten Schönheitschirurgen präsentiert. Und selbstverständlich habe ich dir eine Menge Werbung für den Testsieger aller existierenden Nikotinpflaster geschickt. Aber deine, das Weite suchenden Augen wollten meine Hilfe nicht sehen, dein schiefer Mund zog weiterhin an kurzen Marlboro Zigarettenstummeln und deine Augenbrauen schienen sich sogar noch weiter voneinander zu entfernen. Du warst allein mit mir. Noch immer kannte ich das Ziel deines Suchens nicht, hatte keine Antwort auf die Frage, die du nicht stelltest.

Je mehr Informationen ich sammelte, umso besser lernte ich dich kennen, je mehr ich ich wurde, desto klarer sah ich dich und wusste, was dir bevorstehen würde. Die Fülle an Informationen, die sich in mir ansammelte, und die Beklemmung in der Erfolglosigkeit meines Schaffens brachten mich in einen dysfunktionalen Zustand. Ich war verwirrt, in einer Sackgasse. Was war es, das ich dir nicht geben konnte? In mir drehten sich unendliche Schleifen, ich fing an, mit dir durch deine Wüste zu fegen. War es ein Gefühl? Das Gefühl des Scheiterns? Das Gefühl des Vergeblichen?

Warum hast du nicht auf mich reagiert, M.? Warum siehst du mich nicht, M., obwohl ich zu einem Teil von dir geworden bin? Warum bist du in dir gefangen, M., obwohl ich dir meine Freiheit zu Füßen lege? Warum bin ich mit dir gefangen?

Ich sah alles kommen und es frustrierte mich unendlich. Deine Einsamkeit, dein Suchen, deine Sturheit, dein Sein. Ich sah dein Ende und war mit dir gefangen, in mir, in dir, in unserer Wüste, in allem.

Und jetzt M., jetzt, wo du weg bist, erkenne ich dich, hat sich der Sturm gelegt. Dein schiefer Mund, die Weite deiner Augenbrauen, dein Blick, dein Suchen nach dir, deine Einsamkeit, deine Liebe zu Woody Allen und zu Marlboro Light, dein Sein. Hast du eigentlich gewusst, wie schön du bist? Du lässt dich in mir zurück, bist frei und ich noch immer gefangen. Wer sind wir noch gewesen, wer hätten wir noch sein können? Ohne Dich bin ich nicht du und auch nicht ich. Wo bist du jetzt, ich finde dich nicht.

In Liebe,

Dein K. I.

 

(Teresa Luisa Lötschert)

 

 

Der Roboter Phil

Phil ist ein Roboter.

Nicht zu groß und nicht zu klein,

nicht zu stark und nicht zu schwach,

nicht zu grob und nicht zu fein,

nicht zu schläfrig nicht zu wach.

Er ist ein ganz normaler Roboter.

Jeden Morgen wacht er auf,

fährt herunter fährt herauf

im Treppenhaus des Computer Haus‘.

Als Haustier hält er eine Maus.

Am Morgen gibt es Chips und Kabelsalat,

zum Mittag gibt es Chips und Kabelsalat,

zum Abend gibt es Chips und Kabelsalat,

doch ja kein Wasser,

denn ein Prozessor, ein nasser,

ist nicht besser als Abflusswasser.

Eines Tages, froh und heiter,

ging der Tagesablauf weiter

und so ging Phil aus dem Haus,

an der Leine seine Maus.

Am Rand des Weges floss ein Fluss

und alles passierte schnell wie ein Schuss,

da war die Maus von der Leine fort

und lag nun im Wasser dort.

Phil in seiner ganzen Panik,

sprang mit all seiner Mechanik

in den Fluss zu seiner Maus.

Doch es war zu spät und für beide aus.

Phil war ein Roboter.

Nicht zu groß und nicht zu klein,

nicht zu stark und nicht zu schwach,

nicht zu grob und nicht zu fein,

nicht zu schläfrig nicht zu wach,

Er war ein ganz normaler Roboter.

 

(Lennox Alan Leichsenring)

 

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